Aus: Flügelschläge. Gedichte. Passau: Passavia Verlag 1987.
Träume
Weder Ebbe noch Flut
Gezeitenlos aufschäumende Wasser
Verborgene Spiegel
brechen ihr Licht aus der Tiefe
Tausend Augen blicken auf
ein Land dir zu öffnen
Aus: Jazzkonzert. Gedichte. Tiefenbach: Edition Töpfl 1996.
Jazzkonzert
Klöppelfinger
werfen sich
ins Tongeflecht
der Bauch
des Basses
prall
ergießt sich
in Kaskaden
feuerfingrig
sie erlöschend
prescht ein Teufel
hoch die heiße Leiter
hält im Wehlaut inne
um mit neuer Lust
zu stürzen in den Abgrund
doch der Drummer
fängt ihn vorher auf
wirbelt ihn
verwegen durch die Luft
auf den Tasten
des Pianos
hüpfen irre Glieder
auf und ab
Aus: Das Gerede der Vögel. Gedichte. Hockenheim: Edition L 1998.
Octobercollage
Ach die Nebel
nageln ihr weißes Gesicht
wieder an die Kreuze der Fenster
und im Kahlschlag des Gartens
werfen sich Spinnen
schon Rettungsringe zu
in den mageren Ästen der Bäume
sitzen die Krähen in Schwärmen
wie auferstandenes Laub
und der Mittag
klatscht wie ein verlogener Knecht
mir sein Blau auf die Augen
Kinder der Gewalt
Ihr
unter der schweigenden Erde
mit euren zusammengeschweißten Mündern
ihr
die ihr nicht redet
nicht weint
nicht sterbt
ihr
mit euren blauen kleinen Mündern
redet
redet
Aus: Zimt und Marihuana. Gedichte. Stolzalpe: Wolfgang Hager Verlag 2003.
Im Teller ist Sand
Das Zimmer ist wortlos
schweigsam der Tisch
im Topf
kocht das Wasser
verdampft wie ein Fisch
Im Flur
steht ein Schneemann
der Winter ist lang
wer zündet den Traum an
mit rotem Gesang
Das Holz ist im Keller
das Weiß an der Wand
im Herd
brennt kein Feuer
im Teller ist Sand
Silberdistel
Kam zu dir
aus den zerbrochenen Bergen
den Schneefeldern der Sonne
so hoch
war meine Liebe
kam wie ein Kind
mit abgerupften Blumen
und zerschundenen Knien
rollte
auf losgetretenen Steinen
die Halde hinab
eine Königin war ich
mit dem blauen Blut
des Enzians
eine Königin bleib ich
eine Distel
silbern
zwischen Schwingel und Steinbrech
August
Nun sind die Tage da
wie weiße Trauben
das Licht hängt in der Luft
wie ein Laib Brot
der Nussbaum ist ein Korb
voll grüner Perlen
Lupinen züngeln heiß
und werden rot
Und manchmal zieht am Himmel
eine Schnecke
und lässt ihr Haus
in einem Rad aus Watte stehn
und manchmal
jagt ein schwarzer Hund darüber
dann fängt es an
sich wild und laut zu drehn
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