Aus: Mit dem Lauf des Flusses. Gedichte. Ruhmannsfelden: Druckforum Verlag 2007.
mit dem Lauf des Flusses
groß ist die Donau und leise,
als fließe sie von meinem Herzen.
die Tiefe schweigt, es lächelt der Schein.
mit tausend Augen der Ahnen flüstert
die Zeit, sie erzählt von der Liebe und
der Freiheit bis ins Gold des Abends.
wenn am Ufer ein Funken Feuer
die Sonne entzündet, Fernsehantennen
zerkratzen den Abendhimmel
die Donau,
Strom unzähliger Einsamkeiten,
fließt wasserkräuselnd in die Ferne
durch die Stadt hinaus, unaufhaltsam
Worte
tausend Jahre alt
ist mein Herz
doch so jung
es hat im Abgrund
sprechen gelernt
Worte
für Hörende
für Liebende
für das Licht des
Tages von der
Sonne erwärmt
für den Mondschein
in Träumen leuchtend
Worte
für die Augen
zu sehen, ein
Augenblick Freude
mehr Wert hat als
alle Schätze dieser Erde
Monolog des Skelettes
einer gelben Lilie
lila leuchtet der Mond
Eissterne sprengen die Nacht
funkeln die Strahlen
auf menschenleere Straßen
gesättigte Häuser reihen sich
auf in meiner Hand
aus Fenstern gespuckte
verdorbene Seelen kreisen
wie Hunde durch die Stadt
Gott wohnt auf Fernsehantennen.
Aus: ÜberBrücken. Gedichte und Geschichten aus Passau. München: SüdOst-Verlag 2006.
ohne Zweifel
unter dem Sternenzelt
im viereckigen runden Wald
wartet das grüne Pferd
in rätselhafter Stille
wir reiten in der Morgenröte
mit dem Wind
aber denke nicht
dies ist eine Anderswelt,
entweder mit freiem Geist
und bloßem Herzen unter
Gottes Dach in täglich
neuem Fegefeuer
oder zur Untermiete
in immerwarmer
einheitlicher Schafhürde
jetzt und hier
Worte füllen schweigendes Papierblatt
ein Lied baut sich aus Kraft der Stille auf
und entflieht der nächtlichen Donauluft.
wir schreiten manchmal
im Schlaf durch Wände
in die Welt der tiefen Brunnen
und wandernden Sterne
unter freiem Himmel schwimmen
im indigoblauen Wasser
Kopf an Kopf mit
auf dem Wolken rollenden Mond
rufende Hand leuchtet
an schwebenden Steinen
weiße Lichtlocken fallen
vom tiefschwarzen Himmel nieder
deinen Namen sage ich nicht
rastloser Wind, wirbelndes Wasser sprechen
über dich und laut klingende Lieder:
du ewig neugeborener Augenblick
Aus: Wenn die Natur umarmt. Winzer: Verlag Duschl 2000.
nach einem heißen Junitag
langsam geht die Sonne schlafen
flüchtig noch kämmt sie die Dächer
der Stadt
im Stoß des Windes stöhnen
die Sterne und eilen
zu dem Mond in die Stille –
es wird Abend
Balladenbaum neigt sich
über die Donau,
träumt Funken des Lichtes
Frosch sitzt auf meiner
Schulter, wir wandern
zum nächtlichen Wald
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