Aus: Herent und drent. Verserl zwischen Gäu und Woid. München: Edition Münchner Palette 2001.
Später Traum
vej
han ih eignumma
in mein Lebm
Gejd zon Gojd
Haus und Stand
Lieab wia Glück
oiß
han ih s wiedar ausgebm
mei schejs Lebm
zrunna wia Schnee
vologn so voloarn
vospejt üba dNacht
grad
a Traam is ma bliebm
a woarma Traam
und den
kann ma neahmand mehr nehma
niggs
in da Wejt
Aus: Dorferneuerung. Wahre und andere Geschichten aus Niederbayern. Waldkirchen: SüdOst Verlag 2002.
Hoamat
Fejda –
stoanat am Riegl
foarbig vo de Bleame
zwischn Gräbm und Büsch!
Fejda – flurbereinigt
subventionsgerecht
dungt und gspritzt!
Hoamat?
Häusa –
anegloant an dHäng
in dSeign eineduckt
vorm behmischn Wind!
Häusa – broat und machti
mit an Rossagspann
gschnitzt in blaua Balkon!
Hoamat?
Menschn –
bucklad vo dar Arbat
plogt vo de Kinda
zfriedn mit den wos s habm
gschobm auf dVorsehung
in dEwigkeit votröst!
Menschn – ghetzt aus da Zeit
tragn von eahnan Sach
aufklärt über de Gene
bis zon Sozialamt
frei – so hundsgemein frei!
Hoamat?
Hojt aus, mei gschundne Hoamat,
schrei – aba bleib s!
Aus: SilberVögel. Gedichte. Tiefenbach: Edition Töpfl 2003.
ZauberWald
Still still
ein Tautropfen will
gar schüchtern im Moos
sich erwärmen am Strahl
für Sekunden doch bloß
will sich freuen noch mal
betören mit Glanz
wie der Waldelfen Tanz
voller Kunst –
um dann heimlich
ganz still
zu vergehen in Dunst
Aus: Über der Donau. Drei Novellen. Deggendorf: Verlag Ebner 2004.
[...] Ein drückend schwüler Julitag geht zu Ende. Die Sonne ist bereits über den Horizont gerollt, nur noch ein paar rot-gelb-graue Wolkenstriche bilden dort ganz, ganz hinten ein schütteres Gewölbe. Die glatten Wasserspiegel der Donauschleifen und der großen ausgebeuteten Kiesweiher werfen das letzte Tageslicht auf die Anhöhen. Schon will weißer Dunst alle Ferne verschlingen. Mit ihr all Mühe und Hast. Drüben von der Eiche am Waldrand noch ein verspäteter Häherruf, ohne Antwort, dann nur noch das entfernte, gebannt wimmernde, leise säuselnde Gehabe der Autobahn. Unten im Südosten einzelne Lichter, Scheinwerfer, Stechaugen einer Stadt, die noch lange nicht schlafen will, der Stadt, deren Zugriff er sich so lange entzogen hat, deren Greifarme ihn und sein Häusl bislang Gott-sei-Dank noch nicht erkrallen konnten. Lichter, Hast und Gegeifer dieser Stadt werfen einen unnatürlichen Heilsschimmer an das Firmament, die schüchternen Sterne überdeckend. [...]
Aus: barfuaß schmatzn – Neue bairische Gedichte. Deggendorf: Ebner 2008.
hintan Haus
nix sehgn und
nix höarn
grad an Himme beschwöarn
nix müassn
nix sojn
grad an Stern aba hojn
nix fragn und
nix rüahrn
grad dei Hand bei mir gspüahrn
Aus: Strandgut. Erzählung. Tiefenbach: Edition Töpfl 2010.
[...] Ein Tag wird noch nicht deshalb zur Nacht, weil die Sonne über den Horizont hinunter rollt. Ein Tag versinkt, eine Nacht ersteht, weil Selbstvertrauen in Schuldgefühlen ermattet, weil Hoffnung in Unvermögen mündet, Wollen in Dunkelheit sich verirrt. Eine Seele stiert in die Leere. Gedanken kreisen wie Hunde um ein hohles Nichts. Ein ganzes Leben breitet sich schwer wie Nebel in eine Ebene. Es ist das Gesetz der Nacht, dass es die euphorischen Schwünge des Tages wertet und das Wesentliche, Bleibende in die Kammern des Schicksals leitet. Allen großen Entscheidungen trifft die Nacht. Wieder einmal – jetzt, diese Nacht. [...]
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