Forum Literatur in Niederbayern
bei der Staatlichen Bibliothek Passau


Friedrich Hirschl – Leseproben


Aus: Flussliebe. Gedichte. Passau : Verlag Karl Stutz 2012.


Flussliebe

Er hat den Arm
um das kleine
Stück Land gelegt
Wie ein Vater
dem Kind


Felsen im Inn

Hochbetagte Flusspferde

Dem schnellen Lauf
des Wassers im Weg
lassen sie sich nicht
aus der Ruhe bringen
und schon gar nicht
vertreiben


Aus: Nachthaus. Gedichte. Passau : Verlag Karl Stutz 2009.


Stark bewölkt

Der Himmel
mit viel
Gepäck

Als würde er
für länger
verreisen


Nachthaus

Ein Haus
aus Dunkel
und Stille
Mit Lichträumen
und Traumfenstern
Das Dach
voller Sterne


Aus: Herbstmusik. Gedichte. Passau: Verlag Karl Stutz 2006.


Herbstmusik

Ungestüm
spielt der Wind
auf den vielen Baumpianos
dass die bunten Blättertasten
nur so fliegen
und die Lieder auch


Im Großeinsatz

Am Nachthimmel
wimmelt es
von Lichtern

Die Sternenflotte
fliegt
einen Großeinsatz

Der Mond
ein heller Kopf
der Kommandeur



Aus: Glut am Himmel. Gedichte. Tiefenbach: Edition Töpfl 2002.


Sommerwiese

Geflügelte Schönheiten gaukeln
über dem Gräserwald
durch den der Wind spaziert

Heupferde sprungbereit
für einen Ritt
durch die Luft


Vollmondnacht

Ball
spielt die Nacht
über den Dächern
der Stadt

Strahlt
wie ein Kind



Aus: ... und Sehnsucht singt ein leises Lied. Gedichte. Tiefenbach: Edition Töpfl 1992.


Der Himmel

Im grauen Kittel
wäscht der Himmel
die Stadt

nach getaner Arbeit
wechselt er die Kleidung

im blauen Anzug
lacht er


Novembernebel

Ganze Tage
sind seine
Gefangenen

bei wenig
Licht



Aus: Im Fluß der Zeit. Gedichte. Passau: Lippmann-Mindl Verlag 1989.


Worte

Brücken
die uns verbinden

solange es etwas
zu sagen gibt
tragen sie


Der Fluß

Keinen Blick
wirft er zurück

die Zeit
bedrängt ihn nicht

sein Leben
ist der Lauf
nach vorn



Aus: Erdzeit. Gedichte und Prosa. Hann. Münden: Gauke Verlag 1987.


Wiederbegegnung

Du
wie nah bist
du mir
dein lächelnder Mund
deine tränenvollen Augen
Pierrots leben
Damals ließ
ich Rosen liegen
in Zeilen
die nicht spurlos
blieben
Deine Augen
ich schweige
rede
in mir
ich mit
den Pierrots
mit dir


Der Stachel

deine Lippen
schwer
gläsern
deine Augen
du denkst an morgen
auch an mich
der tödliche Stachel in dir
angesetzt gestern
heute bohrt er
und doch
ist er zerbrochen
für immer


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