Forum Literatur in Niederbayern
bei der Staatlichen Bibliothek Passau


Johann Hofbauer – Leseproben


Tagebuchnotizen vom 1. bis 4. Oktober 2007
(bisher nicht anderweitig veröffentlicht):



Werden die Bewusstseinsinhalte, wenn sie nicht wahrgenommen werden, durch irgendetwas neutralisiert?

Irgendwo war das Ich versenkt ...

Vielleicht könnten wir die Lichtseite des Bewusstseins verstehen, wenn wir die Schattenseite kennen würden.

Nur im Kollektiv (Fläche, Raum) ging die Wendung ins Individuum vonstatten.

Die Grundsubstanz ist nicht unbelebt ...

Wird etwas bewusst, wendet sich der Blick von der Leere ab.

Ist der Lichtstrahl ein Symbol für unseren Blick?

Entstehung und Veränderung des Subjekts lassen sich wohl nicht trennen.

Für uns ist die Welt in die Gestalt des Bewusstseins geschlüpft.

Was gibt Schutz, damit ich ich selber sein kann?



Aus: ÜberBrücken. Gedichte und Geschichten aus Passau. Herausgegeben vom Passauer Literaturkreis. München: SüdOst Verlag 2006.


Samstagnachmittag

Der Taxifahrer schläft.
Das Taxi sinkt in den Asphalt.
Kein Mensch tritt heute aus dem Haus.
Schwalben schwirren über der Straße.


Donaustadt

oder –
welches Wort finden wir
für einen Dämmerort,
für eine Stadt im grauen, kalten Licht?
Requiem aeternam
singen die Lebenden
über die Toten
abends im
Donauschiff
des Doms.


Niedernburg

Ganz im Osten.
Auf einer Landzunge.
Die schmale Kirche.
Wenn die Sonne auf weiße Mauern schien,
war der Himmel bis Ungarn offen.


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