Aus: Bunte Wege. Gedichte, Gedanken. Tiefenbach: Edition Töpfl 1999.
Nachtgespräche
Spät zur Nacht
und früh am Morgen
ist die Stadt gesprächig:
Es murmeln die Flüsse,
es raunen die Häuser
und der Hohe Dom lobt Gott –
bis im Lärm des flachen Lebens
alles Stille jäh verstummt.
Resümee
Die Fesseln fallen.
Das Starke,
das uns nunmehr bindet:
helle Tage, dunkle Stunden.
Aus: Lindenblätter. Gedichte. Tiefenbach: Edition Töpfl 1995.
Zuversicht
Die Liebe
wälzt den Stein
von deiner Brust –
wer sonst,
wenn nicht ein Engel.
Antilinear
Es kann nicht sein
dies Gestern, Heute, Morgen;
es kann nicht sein der Weg,
der aus dem Dunkel führt ins Licht;
es kann nicht sein
ein Anfang und ein Ende:
alles kann ein Kreis nur sein,
in dem wir sind,
aus dem wir niemals fallen.
Unzeit
Ich kann es nicht mehr hören,
das Gefasel von Blumen und Wiesen,
vom Helfen und Lieben,
immer lauter
schreien Gier, Gewalt und Egoismus –
immer öfter
flammt auf unserer Wand das Menetekel.
Wunsch
Keinen glatten Stein
will ich einmal,
keinen, der zu allen paßt,
der ausgerichtet ist –
wenigstens er sollte so sein,
wie ich sein wollte.
Aus: Übergänge. Gedichte (deutsch-tschechisch). Tiefenbach: Edition Töpfl 2004.
Hoffnung
Nicht strahlend
wird das Neue
aus Schutt und Asche
sich erheben:
Den Weg der Leiden
wird es wieder gehen,
den langen, ungewissen Weg.
Vielleicht wird aber
irgendwann
ein Wille sein
und eine Kraft,
um ohne Brand
und ohne grauenvolles Bersten
zu Schönem
und zum Frieden
zu gelangen.
Geheimnis
Bewahre dir das eine Haus,
das verschwiegene,
das verborgene,
damit du heimkehren kannst,
wenn es still ist.
Bedrohung
Noch ist es mein,
nur mein,
aber
es wird bedrängt
und ungestüm bestürmt:
das kleine Land
am Rande
meines Lebens.
Heimat
Heimat ist mehr
als Haus und Dorf,
als Eltern, Freunde,
erste Liebe:
Heimat ist Wurzel –
weit verzweigt
und unsichtbar.
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